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Leseprobe aus "Vom Tanz des Werdens"
>>Du sollst dir kein Bildnis machen.<<
Dieser Leitsatz ist im Alten Testament eingemeißelt. Gott
wird nicht konkretisiert wie die griechischen Göttergestal-
ten der Antike. Christen, Juden und Muslime trennen
deut-
lich zwischen Schöpfer, Schöpfung und Geschöpfen. Das
ist etwas anderes als eine unbestimmte Ganzheit, die auch
der deutsche Philosoph Schopenhauer nicht mit der Bezeich-
nung Gott personifizierte. Er steht damit dem Buddhismus
nahe.
Mir fällt ein Gespräch mit einer jungen Frau ein, der ich
am Rande einer Veranstaltung begegnet bin. Es geht um
Spiritualität und Laotse. Ihr sind die Begriffe Wu Wei und
Tao zu abstrakt.
>>Wu Wei ist Nichtstun.<< Kaum habe ich diesen Satz von
mir gegeben, da verwickelt sie mich auch schon in ein Ge-
spräch. Wir begeben uns nach dem Referat in ein chinesi-
sches Restaurant, um eine Kleinigkeit zu essen und Tee zu
trinken. Die Unterhaltung bewegt sich um das Glück. Wir
reden über das Eine. Es geht um Tao, um Theorie und Praxis.
>>Bevor du mich mit chinesischer Philosophie traktierst
und mit übernatürlichen Begriffen wer weiß wohin lotst,
möchte ich wissen: Tao, das Eine, was kann ich damit prak-
tisch anfangen?<<
>>Alles.<<
>>Wie bitte? Was heißt hier alles?<<
>>Auf Unwesentliches verzichten, das ist wesentlich.<<
>>Und was ist wesentlich?<<
>>Den Lauf des Lebens mit Gelassenheit, mit Gelöstheit be-
trachten. Frei von den Fesseln der Verhaftungen.<<
>>Und was ist mit dem Glück? Mit dem Glück der Liebe.
Ich möchte küssen und leicht wie eine Feder dem siebten
Himmel entgegen fliegen.<<
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